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Leseprobe SachsenMagazin / Rubrik: 500 Jahre Reformation

Entdeckungen im Mutterland der Reformation

Der Lutherweg in Sachsen

Es tut gut, sich von dem, was im Alltag belastet, frei zu machen – der Lutherweg in Sachsen bietet dazu die Gelegenheit. Er führt als 550 Kilometer langer spiritueller Rundwanderweg durch eine außerordentlich reizvolle Landschaft und verbindet insgesamt 30 Orte. Folgen Wanderer oder Pilger dem grünen „L“ auf weißem Grund, begegnen sie Stätten, an denen Martin Luther und seine Wegbegleiter wirkten. Zahlreiche Informationstafeln entlang der Route informieren über Sehenswürdigkeiten und deren reformatorische Bedeutung.

Zu Gast in eindrucksvollen Burgen und Schlössern
Von Leipzig aus begibt man sich zu Fuß oder mit dem Rad auf eine Reise in die Zeit. Der Weg beginnt in der geschichtsträchtigen Innenstadt Leipzigs und verläuft von dort durch eine faszinierende Seenlandschaft mit mehr als
20 Seen, die zu Wassersport und Baden einladen, und weiter durch idyllische Heidelandschaften und Wälder. Es gibt viel zu entdecken: Unterwegs säumen nicht nur Kirchen mit bedeutenden spielbaren Orgeln den Wegesrand, sondern auch eindrucksvolle Burgen und Schlösser. So kommen Wanderer unter anderem an Sachsens schönster Ritterburg in Kriebstein und der mittelalterlichen Stadt Rochlitz mit ihrem 1.000-jährigen Schloss vorbei. Beide Stationen am Lutherweg gehörten im 16. Jahrhundert zum Besitz der Herzogin Elisabeth von Sachsen, die durch ihr energisches und entschlossenes Handeln ab 1537 die lutherischen Lehren einführte und damit zu den starken Frauen der 500-jährigen Reformationsgeschichte zählt.
Der Weg folgt dem Verlauf der Zschopau zur Stiefelstadt Döbeln. Von dort geht es weiter in Richtung Leisnig, wo man bereits 1519 – nur zwei Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers – die Lehren des Reformators predigte. Im historischen Stadtgut Leisnig können Besucher in einer Ausstellung das älteste evangelische Sozialpapier, die Leisniger Kastenordnung, mit einem von Martin Luther verfassten Vorwort bestaunen.

Vergangenes und neues Klosterleben
Ein besonderes Highlight sind die Klöster am Lutherweg. Unweit von Leisnig, am Ufer der Freiberger Mulde, lädt das ehemalige Zisterzienserkloster in Klosterbuch neben den beliebten Bauernmärkten zu kulturellen Events und Veranstaltungen ein. Aber auch das Kloster Marienthal bei Mügeln ist ein geschichtsträchtiger Ort, an dem Wanderer zur Ruhe kommen und zu sich finden können. Eine Besichtigung der Ruine des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Marienthron zu Nimbschen lohnt sich ebenso, denn hier verbrachte Luthers spätere Ehefrau Katharina von Bora ihre Kindheit und Jugend, bevor sie 1523 mit weiteren Nonnen über Torgau nach Wittenberg floh. Die Bürgerschaft der Orte und Gemeinden zwischen Wittenberg und Leipzig zeigte sich den neuen religiösen Ideen Martin Luthers gegenüber aufgeschlossen. Die damalige kursächsische Residenzstadt Torgau galt im 16. Jahrhundert als politisches Zentrum der Reformation. Pünktlich zum Jubiläum öffnet ab Mai 2017 im Schloss Hartenfels die neue Ausstellung „Torgau. Residenz der Renaissance und Reformation“ mit ausgewählten Exponaten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Leipzig im Zeichen Luthers
Eine wichtige und zentrale Station am heutigen Lutherweg ist unbestritten die lebendige Kulturstadt Leipzig. Martin Luther weilte oft in der Messeund Handelsmetropole. In der Leipziger Pleißenburg fand im Juni 1519 das tagelange rhetorische Duell zwischen Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck statt. Diese sogenannte „Leipziger Disputation“ gipfelte schlussendlich im Bruch Luthers mit der römisch-katholischen Kirche. Bis er jedoch in der Thomaskirche die Festrede zur Einführung der Reformation in Leipzig halten durfte, sollte es trotzdem noch 20 Jahre dauern. Thematische Rundgänge durch die Innenstadt verbinden jene Orte, an denen sich Luther und seine Weggefährten einst aufhielten – von Auerbachs Keller bis zur Pleißenburg.
Als bedeutendes Zentrum des Buchdrucks spielte die Stadt Leipzig für die Verbreitung der reformatorischen Gedanken eine besondere Rolle. Hier wurden Luthers Schriften vervielfältigt und im ganzen Land verteilt. Vom 4. Mai bis zum 24. September 2017 widmet sich eine Sonderausstellung im Museum für Druckkunst Leipzig diesem Thema. Weitere hochkarätige Ausstellungen wie „Luther im Disput. Leipzig und die Folgen“ (12.4.2017–28.1.2018) im Stadtgeschichtlichen Museum, die Cranach-Dauerausstellung im Museum der bildenden Künste und die Veranstaltung „Kirchentag auf dem Weg“ unter dem Leitspruch „Musik. Disput. Leben“ (25.–28.5.2017) unterstreichen die weitreichende Wirkung von Luthers Thesenanschlag bis in die Gegenwart.
Auch musikalisch steht Leipzig 2017 ganz im Zeichen Luthers, sind von ihm doch mehr als 30 Kirchenlieder überliefert. 200 Jahre später sollte sich ein großer Komponist und Leipziger Thomaskantor dieser Lieder in seinen eigenen Kompositionen bedienen: Johann Sebastian Bach, Protestant und bekennender Lutheraner. Seine geistlichen Choräle und Orgelstücke haben bis heute nichts von ihrer Ausstrahlungskraft verloren. Das international bekannte „Bachfest Leipzig“ gehört zu den musikalischen Höhepunkten und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Ein schoen new Lied – Reformation und Musik“ (9.–18.6.2017).

Egal, ob Wanderung, Erlebnisführung, Ausstellungsbesuch oder Konzert: Das Reformationsjubiläum 2017 ist ein wunderbarer Anlass, die Stadt Leipzig und die umliegende Region auf den abwechslungsreichen Etappen des sächsischen Lutherweges zu entdecken. Jeder Abschnitt erzählt dabei seine ganz eigene Geschichte.

INFO
Leipzig Tourismus und Marketing GmbH
Tourist-Information
Katharinenstraße 8
04109 Leipzig
Tel. 0341 7104260
info@ltm-leipzig.de
www.leipzig.travel, www.leipzig.region.travel
www.luther-in-leipzig.de

Foto: PUNTCTUM/Peter Franke

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