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Leseprobe Rubrik: Kulturland Sachsen

Nach 25 Jahren zurück zu den Wurzeln

Das Festival "Sandstein und Musik" feiert Jubiläum


Papstdorf, April 1992: Das Publikum in der restlos ausverkauften Kirche feiert den Trompetenvirtuosen Ludwig Güttler und seinen Partner Friedrich Kircheis an der Orgel. Stehende Ovationen, minutenlang. Die Begeisterung ist zum Greifen, doch niemand kann zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass dies die Geburtsstunde eines neuen Musikfestivals ist.

Was wäre, wenn …
Initiiert hatten das Konzert die Gebrüder Brähmig. Klaus Brähmig, Bundestagsabgeordneter, und dessen Bruder, der damalige Papstdorfer Bürgermeister Eckhard Brähmig, standen noch unter dem Eindruck des soeben Erlebten, als sie gemeinsam mit Künstlern und einigen Gästen bei einem Glas Wein in die Zukunft spannen. Was wäre, wenn …? Man müsste doch …
„Eine Idee ist umso großartiger, je aussichtsloser ihre Umsetzung scheint“ – im Rückblick greift Ludwig Güttler zu diesem Paradoxon. Denn zunächst spürten die Initiatoren in der Sächsischen Schweiz vor allem Gegenwind. Die Idee, ein Festival für Papstdorf aus der Taufe zu heben, wurde rasch verworfen. Als Ludwig Güttler ein Vierteljahr später vor Stadtoberhäuptern der Landkreise Pirna und Sebnitz die Bedeutung der Kultur proklamierte, flammte der Festivalgedanke wieder auf, bekam Konturen. Güttler und einige Bürgermeister besprachen die wichtigsten Eckpunkte für ein solches Projekt. Es sollte ein regionales Musikfestival sein, bekam einen Namen, ein Logo und im September 1992 einen Träger: Sandstein und Musik e. V., eingetragen im Vereinsregister Pirna. Mit Hochdruck wurde der erste Jahrgang vorbereitet. Es galt, Künstler zu gewinnen, Fördergelder, Sponsoren, private Spender – nicht zuletzt Publikum. Dessen Interesse überstieg die Erwartungen, wie Vorab-Konzerte in Papstdorf und Pirna zeigten.

Dreiklang aus Musik, Natur und Architektur
Lohmen, März 1993: Die „Feuertaufe“, das Eröffnungskonzert in der Kirche mit den Virtuosi Saxoniae unter Ludwig Güttlers Leitung, wurde grandios bestanden. „Sandstein und Musik“ entwickelte sich über die Jahre zu einer immer festeren Größe. Ohne Sponsoren, Spender und ehrenamtliche Helfer könnte auch dieses Festival nicht existieren. Eine besonders starke Säule ist jedoch das Publikum. Knapp die Hälfte des Haushaltes wird über Kartenverkäufe erwirtschaftet. Die Region ist in dieser Erfolgsgeschichte ein wichtiges Kapital – landschaftlich, architektonisch. Im Gebiet zwischen Großsedlitz und Papstdorf, Rammenau und Rosenthal mit seinen reizenden Kirchen, Gärten, Burgen und Schlössern bekommt die hochklassige Musik einen einzigartigen Rahmen. Gerade dies begründet den Wert von „Sandstein und Musik“. Den Spielstätten entsprechend bedient das Festival vor allem kleinere Formen – doch nicht nur. Zu den regelmäßigen Gästen zählen auch Klangkörper wie der Dresdner Kreuzchor.
Das stilistische Spektrum ist im 25. Jahrgang 2017 breit gefächert, reicht von Orgelkonzerten bis zu Liederabenden. Brücken zu Theater, Literatur und Malerei werden geschlagen. Ludwig Güttler und seine Ensembles zählen zu den tragenden Marken bei „Sandstein und Musik“. Im Jubiläumsjahr wird in Neustadt ein chorsinfonisches Konzert unter dem Dirigat des künstlerischen Leiters stattfinden. Countertenor Franz Vitzthum, Himlische Cantorey, Flautando Köln und das Trio Gaspard gehören ebenfalls zu den Höhepunkten der Spielzeit. Gunther Emmerlich mit Band und die Kammerharmonie der Sächsischen Staatskapelle kommen erneut zu dem Festival, das 2017 dem Motto „Zu den Wurzeln“ folgt. Von März bis Dezember lassen sich felsige Natur, Architektur und Musik unverwechselbar ganzheitlich erleben. Erstmals auch vom berühmtesten Podium der Sächsischen Schweiz: der Felsenbühne Rathen. Dort singen vier Bergsteigerchöre.

Nachwuchskünstler und Rekorde
„Sandstein und Musik“ heute: Die einstige Initiative ist zu einer Konzertreihe gewachsen, die aus der Region nicht wegzudenken ist. Der Vereinsvorsitzende Klaus Brähmig nennt Zahlen, die diese beeindruckende Entwicklung belegen: „Seit 1993 haben 156 Musiker bzw. Ensembles in 573 Konzerten an 44 Spielorten über 158.000 Zuschauer in ihren Bann gezogen.“ So viele Gäste wie 2016 kamen noch nie zu den jeweils rund 25 Konzerten pro Saison. Im Mai konnte der 150.000. Besucher seit Festivalstart 1993 begrüßt werden. Auch an die musikalische Zukunft wird gedacht. So treten Schüler der Musikschule Sächsische Schweiz in Vorprogrammen auf und dank einer 2003 begonnenen Spendenaktion konnten für die Einrichtung bereits Instrumente im Wert von knapp 50.000 Euro erworben werden.

Karsten Blüthgen

INFO
Festival Sandstein und Musik e. V.
Maxim-Gorki-Straße 1
01796 Pirna
Tel. 03501 446572
info@sandstein-musik.de
www.sandstein-musik.de

25. Festival „Sandstein und Musik“:
25.3.–10.12.2017
Karten unter Tel. 0351 2841043

Foto: Sandstein und Musik e. V.

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