-
Leseprobe Rubrik: Kultur- und Festivalland

Inspirierende Orte der Begegnung

25 Jahre Festival Mitte Europa

Das Banner ist von der Straße aus gut sichtbar. Aber noch hängt es ein wenig zerknittert, schleift am Boden. „Trochu nahoru!“, von der gegenüberliegenden Straßenseite ruft Anne ihrem Kollegen Václav Anweisungen auf Tschechisch zu. – „Ist es jetzt gut so!?“ – „Nein, wieder ein kleines Stückchen runter – dolů – dolů!“ Nach einigem Auf und Ab ist schließlich auch Anne zufrieden und Václav kann die restlichen Kabelbinder am Zaun befestigen. „Festival Mitte Europa – Festival Uprostřed Evropy“ steht jetzt dort in großen Lettern.

Eine Bühne für die Kunst
Das Festival Mitte Europa ist ein deutsch-tschechisches Kulturereignis. Sommer für Sommer, und 2016 bereits zum 25. Mal, bestreitet es mit hohem logistischem Aufwand mehrere Dutzend Veranstaltungen im Dreiländereck Bayern, Sachsen und Böhmen – darunter Konzerte unterschiedlichster Genres, Ausstellungen, Installationsprojekte, Workshops und Symposien. Es verbindet inzwischen, über die Musik und die Kunst als grenzübergreifende Medien, mehr als 50 Orte rund 400 Kilometer entlang der Grenze miteinander – von der Oberpfalz, Oberfranken und Westböhmen über das Vogtland und das Erzgebirge bis in den Dresdner Raum und nach Nordböhmen.
Zahlreiche anerkannte hochkarätige Musiker wie beispielsweise Sir Yehudi Menuhin, Yo-Yo Ma, Sol Gabetta, Julia Fischer, Fazil Say, Nils Mönkemeyer oder Avi Avital haben in den vergangenen Jahrzehnten schon auf den Bühnen des Festivals gestanden; Straßen-Jazzer aus den Townships von Kapstadt, buddhistische Mönche, Tänzer aus Kathmandu und israelische Musiker waren bereits zu Gast.
Die Land-Art-Künstler Christo und Jeanne-Claude waren mit einer Ausstellung beteiligt. Und auch der Schauspieler Klaus Maria Brandauer hat bei einer hiesigen Lesung seine Stimme erklingen lassen.
Das Festival Mitte Europa gibt namhaften wie unbekannten internationalen Musikern und Künstlern an teils etablierten Häusern, teils urigen, außergewöhnlichen und historischen Orten in der Grenzregion eine Bühne. Eines der großen Ziele ist dabei immer, innerhalb des Festivalrahmens Begegnungen zwischen Menschen zu schaffen – und das in vielerlei Hinsicht.

Mehr als ein Sommerjob
Die Studenten Anne und Václav sind derweil damit beschäftigt, die Abendkasse einzurichten, ein paar Restkarten für Kurzentschlossene sind noch zu haben. Václav deponiert die zweisprachigen Abendprogramme – am Vormittag hatte er die deutschen Texte für den Flyer noch ins Tschechische übertragen.
Die beiden gehören zu dem zehnköpfigen deutsch-tschechischen Sommerteam des Festivals. Anne ist aus Sachsen und Studentin der Bohemistik, Václav studiert Design und stammt aus Tschechien. Die jungen Leute kommen jeweils für den siebenwöchigen Veranstaltungszeitraum am Ausgangspunkt im vogtländischen Plauen zusammen und kümmern sich unter Anleitung um Bühnenaufbau, Bühnentechnik und Service, um Administratives und Organisatorisches. Dafür ist das Team täglich viele Kilometer zum jeweiligen Veranstaltungsort unterwegs, transportiert das nötige Equipment, holt Künstler vom Bahnhof oder Flughafen ab und bringt sie zur abendlichen Location. „Das ist weit mehr als nur ein Sommerjob“, erzählt Anne, die bereits im vierten Jahr dabei ist. „Na klar, die Festivalzeit ist anstrengend, aber es macht auch unglaublich viel Spaß. Und ich freue mich alljährlich auf ein Wiedersehen mit den Kollegen – auf alte und neue Gesichter im Team –, auf die Künstler, das viele Unterwegssein, die Abwechslung. Außerdem spreche ich natürlich gern Tschechisch – und das kann ich hier tagtäglich, denn Tschechisch ist nach Deutsch unsere zweite Arbeitssprache.“ (Auszug)

Lena Lüpke

Foto: Festival Mitte Europa/Wolfgang Schmidt

Leseprobe Rubrik: Urlaubsregion Sachsen

Ein knallhartes Kräftemessen

Sachsen als Paradies für Mountainbiker

In Sachsen wurde das Freeclimbing erfunden. Dass man allein im Elbsandsteingebirge seine Kräfte an 1.125 freistehenden Klettergipfeln messen kann, wissen sicher viele. Aber auch Freerider, wie man Mountainbiker nennt, finden im Freistaat Strecken vor, die deutschlandweit zum Teil einzigartig sind. Zwar wurde das Freeriding nicht in sächsischen Mittelgebirgen erfunden, aber Freaks wissen ganz genau, dass die Bedingungen hierzulande dem Ursprungsgedanken ihres verrückten und waghalsigen Sports ganz nahekommen – vor allem im Erzgebirge. Das „Material“, auf dem sie „reiten“ können, ist genial und das Potenzial enorm. Denn Mountainbiker messen auf diversen Trails in Sachsen ihre Kräfte mit der mächtigsten Dramaturgin der Welt: der Natur.

Der steinige Weg durchs Erzgebirge
Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es einen Stoneman-Trail – nur im Erzgebirge. Es ist der Stoneman Miriquidi. Zwei Länder, neun Gipfel und 4.400 Höhenmeter gilt es auf dem Mountainbike (MTB) zu bezwingen – fernab der Zivilisation, mitten durch den dunklen Wald. Kenner sprechen von einer „Oberschenkelfolter vom Feinsten“. Gespickt sind die 162 Kilometer mit den geologischen Highlights des Erzgebirges ebenso wie mit kulturellen und geschichtlichen Aha-Effekten. Der jahrhundertelange Bergbau hat in dem Gebiet, das mit 150 Kilometern Länge und etwa 40 Kilometern Breite etwa so groß ist wie der Schwarzwald, seine eindrucksvollen Spuren hinterlassen. Der Stoneman Miriquidi verbindet die neun höchsten Erhebungen des Erzgebirges. Der höchste Gipfel auf sächsischer Seite ist der Fichtelberg (1.215 Meter). Auf die Spitze treibt es der Klínovec auf der tschechischen Seite des Erzgebirgskamms mit 1.244 Metern. In diesem zusammenhängenden Bike-Revier der Extraklasse erleben Stollenreiter also pure Emotion sowohl beim Fahren als auch links und rechts der Strecke. Mountainbike-Experten schätzen am Stoneman, dass ihn sowohl knallharte Racebiker als auch Durchschnittsbiker und Anfänger fahren können – und das jederzeit bestens ausgeschildert.
Auf jedem Gipfel warten übrigens eine Stempelstelle und eine Infotafel mit Karte und Beschreibung des nächsten Streckenabschnitts. Je nach Fitness und Muße lässt sich die einzigartige MTB-Strecke in ein, zwei oder drei Tagen (Trophy) oder an vier bis sechs Tagen (Open) absolvieren. Am Ende winken eine Stoneman-Trophäe und der Eintrag in die offizielle Finisher-Liste. Highlights des Stoneman Miriquidi sind die Talsperre Cranzahl, der Gipfelrundweg und Aussichtsturm auf dem Bärenstein, die Basaltsäulen am Pöhl- und Scheibenberg, der Wurzelpfad zum Scheibenberg, das Trailcenter Rabenberg, der kleine Kranichsee, eines der bedeutendsten Hochmoore im Erzgebirge, die Wolfs- und Eisbinge am Blatenský vrch, die Aussichtsplattform auf dem Plešivec, die fahrerisch anspruchsvolle Auffahrt zum Klínovec und natürlich der Fichtelberg.
www.stoneman-miriquidi.com

Trailcenter und Bikerevier
Das Trailcenter Rabenberg ist Deutschlands erster Singletrail-Park. Wer Lust hat auf Singletrails ohne Ende, auf Fahrspaß ohne Grenzen, ist hier genau richtig. Absolviert werden können mehrere Runden auf etwa 50 Kilometern. Der Trailanteil um den Rabenberg ist beachtlich. Er liegt zwischen 25 und 50 Prozent und sorgt damit für besonders viel Fahrvergnügen. Langwierige Tourenplanung und Orientierungsprobleme gibt es dank perfekter Ausschilderung der Strecken nicht: einfach hinkommen, aufs Rad setzen und losfahren. Ob eine leichte und kurze Runde mit der Familie, eine Einsteigertour oder ein tagesfüllendes Programm – alles ist möglich. Gefahren wird auf einem weitestgehend naturbelassenen Untergrund. Raffinessen wie Anlieger, Wellen, Kicker, Northshores und natürliche Wurzelpassagen, Steinfelder, Holzstege, Hohlwege, Felsen und Kurven garantieren Action pur. Die Runden heißen Taster Loop, Peak Orbiter, Border Trail, Black Raven und Two Mountains Loop, sind zwischen sechs und 26 Kilometer lang und zählen 125 bis 880 Höhenmeter.
Das Bikerevier Erzgebirge bietet darüber hinaus rund um die Gemeinden Seiffen, Lengefeld, Neuhausen und Deutschneudorf sowie auf tschechischer Seite im Ort Lesná grenzüberschreitende, touristisch attraktive Mountainbike- und Rennradstrecken wie die Metal-Mountain-Tour. Der 789 Meter hohe Schwartenberg, der Hausberg von Seiffen, ist die beste Adresse, um sich einen Überblick über die Gegend zu verschaffen. Ideales Basislager für Pedalritter ist das „Forsthaus Frenzel“ in Lengefeld. Die Rad- und Bike-Pension offeriert Touren und Pauschalangebote durch das Mittlere Erzgebirge, bei denen neben sportlicher Aktivität auch ans Beineausschütteln gedacht ist. Der Gasthof liegt direkt an den Miriquidi-Bike-Trails. Regelmäßig finden hier Trainingscamps von Mountainbikern aus ganz Deutschland statt. Außerdem trifft sich im Gasthof monatlich der Geländeradsport-Stammtisch, um über neueste Techniktrends, Touren oder Reisen zu fachsimpeln. Seiffen ist im Übrigen Geburtsort des ersten Mountainbike-Marathons in Deutschland. 1993 kämpften sich erstmals 214 Pioniere auf Stollenreifen 100 Kilometer durch das Erzgebirge. Heute rasen beim EBM jeweils am ersten Augustwochenende über 1.500 Biker wie elektrisiert durch den Wald. Wer den Kick im böhmischen Teil des Erzgebirges sucht, findet diesen im Flowtrail-Park auf dem Klínovec oder bei der Lesná-Kalek-Tour.
Vor den Toren des Erzgebirges empfiehlt sich Chemnitz als MTB-Magnet – wenn die Stadt zum Mountainbikerennen Heavy24 am Stausee Oberrabenstein über 1.000 Freizeitfahrer und ambitionierte Leistungssportler zusammentrommelt. 24 Stunden lang treten sie ununterbrochen in die Pedale. Ein vielfältiges Rahmenprogramm bietet auch „unbeteiligten“ Besuchern einige unterhaltsame Stunden am Stausee.
www.trailcenter-rabenberg.de
www.bikerevier-erzgebirge.de

(Auszug)



Foto: TMGS/Manuel Rohne

Leseprobe Rubrik: Erlebnistage für Familien

Gemeinschaft wird zum Kinderspiel

Zu Besuch in der FitDrauf-Jugendherberge Bad Lausick


Die Sitze im Bus, der in der Einfahrt vor Haus 1 steht, sind noch leer. Der Busfahrer plaudert unterdessen mit Herbergsleiterin Silvia Steinbach am Tresen und wartet auf die vier Familien, die er gleich in den Sonnenlandpark nach Lichtenau bringt. Der strahlend blaue Himmel verspricht einen heißen Sommertag. Schnell werden zwei Basketbälle, mit denen gerade noch auf dem Half-Court-Platz gespielt wurde, im Netz im Rezeptionsraum verstaut und die Rucksäcke geschnappt. Die Vorfreude steht den Kindern und deren Eltern buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Gegenüber des Tresens parkt ein Rutschauto, daneben wartet ein Maltisch auf kreative Hände. Es ist offensichtlich, dass Familien hier willkommen sind.
„Zehn Familien verbringen gerade ihren Urlaub in unserer Jugendherberge“, erklärt Silvia Steinbach. Seit 2008 hält sie die Fäden der Herberge in Bad Lausick in der Hand, davor leitete sie die Jugendherberge Jägerwäldchen im Zittauer Gebirge. „2015 sind im Vergleich zum Vorjahr 30 Prozent mehr Familien zu uns gekommen. Es spricht sich herum. Jugendherbergen mit ihren vielfältigen Angeboten sind eine preiswerte Alternative gegenüber herkömmlichem Urlaub. Besonders zu Ostern, Pfingsten und in den Ferien sind wir gefragt.“ Vom Flaschenwärmer über eine Gästewaschmaschine bis hin zur Babybadewanne gibt es nichts, was nicht ausgeliehen werden kann. Auch eine Vollpension können Eltern buchen, bei der Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung und Ökologie eine wichtige Rolle spielen. Regionale Produkte, wie vom Bäcker im Ort, sind dabei selbstverständlich.
Zahlreiche Plätze und Ecken im Außenbereich und in den zwei Häusern sind kinderfreundlich gestaltet: Das Gelände bietet zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten, im Speisesaal steht eine kleine Rutsche, es gibt Motorikspielzeug und Bücher, damit auch Eltern mal in Ruhe essen können. „Überhaupt steht der soziale Aspekt bei uns sehr im Vordergrund. Die Eltern treffen sich abends, grillen zusammen, die Kinder können miteinander spielen und auf den gemeinsamen Ausflügen lernt man sich schnell kennen.“ In fünf Minuten ist der Wald erreicht, auf der Beachvolleyball-Anlage, am Basketballkorb oder auf dem Spielplatz im Ort kann sich ausgetobt werden – ein Familienurlaub, wie er im Buche steht. „Viele sind auch überrascht, wie hochwertig und abwechslungsreich Ferien in einer Jugendherberge heutzutage sind“, sagt die Leiterin und meint unter anderem die barrierefreien und renovierten Familienzimmer mit eigener Dusche und WC. Insgesamt warten 146 Betten in 32 Zimmern, davon 13 Familienzimmer mit Dusche und WC, auf unternehmungslustige Bewohner.

Langeweile kommt hier nicht auf
Für Abwechslung im Urlaub sorgen unter anderem die Bausteine des Familienprogramms „Ferienspaß im Burgenland“. Einen ganztägigen und vier halbtägige Ausflüge kann man sich bei der Buchung einer Urlaubswoche aus dem umfangreichen Angebot im Voraus aussuchen. Die am meisten gewünschten Aktivitäten werden dann als Programm mit den anderen Familien zusammen durchgeführt. Alle anderen können die Familien jederzeit individuell auf ihren Ferienplan setzen. Generell sind vier Tagesveranstaltungen wie Wandern, Basteln oder Reiten sowie vier Abendunternehmungen im Buchungspaket inbegriffen. Die Jugendherberge besitzt außerdem seit 2014 die FitDrauf-Zertifizierung. Mit den vier Komponenten Bewegung, Entspannung, gesunde Ernährung und soziale Kommunikation unter Beachtung der Nachhaltigkeit soll den Gästen ein moderner Gesundheitsbegriff vermittelt werden. Eine geführte Wanderung durch den Colditzer Forst, Ausflüge ins Freizeitbad Riff, eine Führung auf dem Leipziger Flughafen, moderne Sportarten wie Parcours, physiotherapeutische Bewegungen, Entspannung und Meditation, der Besuch der Märchentante, Suchtprävention oder Einführung in die Medienwelt werden dabei auch und gerade für Familien angeboten.

Für jeden ist etwas dabei
Die Bad Lausicker haben aber noch weitere Spezialprogramme in petto. So wendet sich „Lost“ auch an Übergewichtige, die pro verlorenem Kilo fünf Euro des gezahlten Preises zurückbekommen. Unter bestimmten Bedingungen ist es sogar möglich, in nur zwei Wochen seinen Führerschein zu machen. Wenige wissen, dass auch Ferienfreizeiten organisiert werden, bei denen Kinder zusammen mit Gleichaltrigen einige Abenteuer erleben können. So plant Silvia Steinbach 2016 internationale Jugendbegegnungen, einmal deutsch-russisch und viermal deutsch-tschechisch, zu denen Kinder gern angemeldet werden können.
„Das Jugendherbergswerk ist wie eine große Familie, auch in ganz Europa und der Welt. Der Beitrag, der zum Übernachten berechtigt, ist minimal und lohnt sich. Familien zahlen nur 22,50 Euro. Jugendherbergen stehen allen Altersklassen offen, das muss noch verstärkt an die Öffentlichkeit getragen werden. Wir sind aber auf einem guten Weg und hoffen, dass der Trend zum Familienurlaub in der Jugendherberge weiter anhält“, bemerkt Silvia Steinbach und ist sicher, dass sich ihre Familien im Sonnenlandpark gerade prächtig amüsieren.

www.bad-lausick.jugendherberge.de

 

Christiane Schwarzbach

Foto: Jugendherberge Bad Lausick

Leseprobe Rubrik: Genussland Sachsen

Ein Geschenk der Natur

Wunderbare Wildkräuter

Wilde Wiesen und Wälder sind ihre Vorratskammer. Begleitet von Stille und klarer Luft zieht sie frühmorgens mit einem geflochtenen Korb in die erwachende Natur und bedient sich der Delikatessen am Wegesrand. „Ich bin das, was man im Mittelalter Kräuterweib nannte“, erzählt Cornelia Göpel mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das Wissen über Kräuter und ihre Anwendung wurde der gebürtigen Erzgebirgerin in die Wiege gelegt. An der Hand ihrer Mutter streifte sie durch blühende Wiesen und sammelte frische Kräuter für Teevariationen. Unter ihnen befand sich fast immer Schafgarbe, die im Kissenüberzug in der Wohnstube getrocknet wurde. An den heuähnlichen Geruch kann sie sich bis heute erinnern. Wer sich auskennt, der entdeckt an diesem Morgen in ihrem Korb Giersch, Löwenzahn, Spitzwegerich, Frauenmantel, Minze, Salbei, Thymian und natürlich Schafgarbe. Die Kräuter verarbeitet sie mit Zitrone, Limette und Weißwein zu einer köstlichen Wiesen-Kräuterbowle. Für zehn Liter des erfrischenden Getränkes war sie eineinhalb Stunden unterwegs. „Kräutersammeln ist mühsam, aber lohnt sich und Bücken hält fit“, verrät sie.

Erzgebirgsküche delikat verfeinert
Cornelia Göpel ist Küchenchefin im Hotel Forstmeister in Schönheide, einem wahren Kräuter-Kleinod an der Grenze zwischen Erzgebirge und Vogtland. Hier bereitet sie eine Vielfalt an Gerichten heimischer Herkunft mit Produkten aus der Region zu. Kräuter sind für sie nicht nur eine unverzichtbare Zutat fürs besondere Aroma, sondern stehen im Mittelpunkt ihrer Kreationen, wie der Blick in die Restaurantkarte verrät: Wildkräutersalat, Gänseblümchensuppe, Brennnesselschnitzel und Fichtenforelle. Beim Probieren des Vogelbeersorbets, das bekrönt mit Vogelbeermarmelade, umgeben von Holundersoße und dekoriert mit den zarten Maitrieben der Fichte im Schokoladenmantel serviert wird, fühlt man sich in die Welt der Gourmetküche versetzt. „Dabei ist die traditionell erzgebirgische Heimatküche eher einfach und deftig.“ Aber im „Forstmeister“ wird selbst eine Brennnesselsuppe so reich verfeinert, dass es dieses speziellen Hinweises der Küchenmeisterin bedarf.
Die Hotelgäste lädt Cornelia Göpel gern zu einem Spaziergang durch die erzgebirgische Kräuterwelt ein und zeigt, welche Schätze sie auf Schritt und Tritt begleiten. Direkt am Hotel beginnt der sechs Kilometer lange Kräuterlehrpfad „Rund um den Kuhberg“ mit über 100 einheimischen Pflanzenarten, darunter zahlreichen Kräutern, die sich der Volksheilkunde zuordnen lassen oder als Heilpflanzen anerkannt sind wie Spitzwegerich, Veilchen und Johanniskraut. Zurück im Hotel werden die Kräuter gemeinsam in der Küche verarbeitet. Die zertifizierte Kräuterpädagogin checkt noch einmal sorgfältig die Körbe, damit nichts Giftiges im Kochtopf landet. Denn die Verwechslungsgefahr ist groß: Maiglöckchen als Doppelgänger des Bärlauchs oder Hundspetersilie, die dem Wiesen-Kümmel ähnelt. Wie beim Pilzesammeln lauern Gefahren. „Deshalb immer nur das pflücken, was man mit Sicherheit kennt“, rät die Expertin.
Dass Kräuter nicht nur zum Kochen gut sind, das erfahren alle Experimentierfreudigen beim Besuch der Kräutermanufaktur im „Forstmeister“. Nach altbewährtem Wissen und beherzten Erkundungen kreiert Hotelchef Gerolf Seidel über 30 Kräuterschnäpse, deren Namen „Fichtenspitze“, „Waldengelwurz“ oder „Rotklee“ den Inhalt verraten. Während der „Erzgebirgischen Kräuterwochen“ stellt er mit seinen Gästen Naturkosmetikprodukte von Lavendelcremes über Badesalze bis hin zur Lippenpflege her. Wenn ein Hydrolat aus Salbei und Pfefferminze zur Schlämmkreide hinzugefügt und die cremig gerührte Konsistenz mit ätherischen Ölen angereichert wird, dann entsteht im Ergebnis eine Kräuterzahnpasta – und zwar aus Tradition: Ottomar von Mayenburg, Erfinder der Chlorodont-Zahnpasta, wurde 1865 in Schönheide geboren. (Auszug)

www.forstmeister.de
www.tourismus-erzgebirge.de

Foto: TV Erzgebirge

© 2010-2013 Labhard Verlag Konstanz/Bodensee | Design: SMD | Kontakt | Impressum | Sitemap
Verlagsthemen: Bodensee | Oberschwaben | Sachsen | Wirtschaft | Garten