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Leseprobe Rubrik: Museen in Sachsen

Zukunft braucht Herkunft

Sachsens Museen sind weltbekannt - allen voran die aus den kurfürstlichen Sammlungen hervorgegangenen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

Prächtige Burg-und Schlossanlagen zeugen zudem sachsenweit davon, wie der Bergbau dem Land seit dem 12. Jahrhundert immer wieder Reichtum bescherte. Ab 1850 entwickelte sich gerade im Industrieland Sachsen eine starke bürgerschaftlich getragene Museumskultur, beispielsweise in Leipzig und Chemnitz, aber auch in Bautzen und Zwickau. Das breit gefächerte industriekulturelle Erbe vom Textil bis zum Automobil spiegelt sich vielerorts wider. Bedeutende Forschungs- und Lehrsammlungen an Universitäten und Hochschulen harren dagegen noch ihrer öffentlichen Entdeckung.
Wissenswertes über Sachsens Museen und deren Vielfalt ist in der vierten, neu konzipierten und vollständig überarbeiteten Buchausgabe des Führers durch die „Museen in Sachsen“ zu erfahren. Ende 2011 erschienen, wendet sich der Museumsführer an ein breites Publikum – an Bildungshungrige, Wissensdurstige, Unterhaltungsuchende, Reiselustige und natürlich alle Museenfreunde inner und außer Landes. Er ist als Wegweiser zu den zahlreichen Museen und Sammlungen, Burgen und Schlössern, aber auch technischen Denkmälern und Schauanlagen angelegt. Sie alle verbindet die Bewahrung und Vermittlung kulturellen Erbes. Die Buchgestaltung soll es erleichtern, sich rasch zu orientieren und dafür sorgen, besondere Glanzlichter der sächsischen Museumslandschaft angesichts der Vielzahl der Einrichtungen auf keinen Fall zu übersehen. Eine Karte sowie ein Register ergänzen das Serviceangebot.
Sachsenweit repräsentieren mehr als 650 Museen, Heimatstuben, Erlebniswelten und öffentlich zugängliche Denkmäler einen faszinierenden Themenkosmos, der von Mendelssohn über Schumann bis Wagner, von Gellert über Lessing bis Kügelgen, von Archäologie und Geschichte über Kunst und Kultur bis hin zu Naturkunde und Technik reicht. Seit Beginn der 1990er Jahre ist die Zahl der Museen und Heimatstuben im Freistaat Sachsen rasant gewachsen. Allerdings sind zahlreiche Einrichtungen, bedingt durch Vereinsverbote und rigorose Museumsschließungen während der DDR-Zeit, nach 1991 erst allmählich wieder gegründet worden. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben das Land Sachsen sowie Landkreise, Kommunen und Gemeinden viel in die denkmalgerechte Sanierung und Wiederherstellung zahlreicher Museumsbauten, Schlösser und Gärten investiert.

Positive Veränderungen
Die sächsische Museumslandschaft hat sich in den vergangenen fünf Jahren erneut verändert. Neue herausragende Häuser – wie das Museum Gunzenhauser in Chemnitz oder die endlich nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wieder erstandenen Museen im Leipziger GRASSI – sind erst im Dezember 2007 zur sächsischen Museumsgemeinschaft hinzugekommen. Auch die Chemnitzer Kunstsammlungen erweiterten ihre Dauerausstellung mit der Galerie der Romantik und der Skulpturenhalle erheblich. Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden hat nach dem vollständigen Abschluss umfangreicher Sanierungen und einem eindrucksvollen Themenparcours der neuen Dauerausstellung, einschließlich Kindermuseum, einen weltweit anerkannten Platz in der internationalen Museumslandschaft erobert. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben ihren Weltranglistenplatz weiter gefestigt und sind in das denkmalgerecht sanierte Residenzschloss und in das zum Haus der Moderne umgewidmete Albertinum eingezogen. Gerade mit dem Historischen und Neuen Grünen Gewölbe, der Türckischen Kammer oder den viel beachteten Ausstellungen des Dresdner Kupferstich-Kabinetts sind wesentliche neue Akzente gesetzt worden. Das Jubiläumsjahr 2010 zur Erfindung des Meissener Porzellans hat zu bemerkenswerten Neugestaltungen der Porzellansammlungspräsentation geführt. Auch Einrichtungen des Bundes, neben dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vor allem das Militärhistorische Museum der Bundeswehr mit seiner spektakulären Neugestaltung und Neukonzeption, leisten für das nationale wie internationale Ansehen der sächsischen Museumslandschaft unverzichtbare Beiträge. Die Einrichtungen der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft haben viel in Ausstellungen und Vermittlungsangebote investiert.
Rasant ist die Entwicklung im Bereich Industriekultur – das erst 2003 eröffnete Industriemuseum Chemnitz hat sich zu einem national viel beachteten Besuchermagneten gemausert. Jüngster Neuzugang ist hier die Dauerausstellung der Automobilsammlung des Enkels von DKW-Gründer Rasmussen. Mit dem neu gestalteten Motorradmuseum in Augustusburg sowie dem August Horch Museum in Zwickau haben Freunde historischer Fahrzeuge neben dem Verkehrsmuseum Dresden gerade in Südwestsachsen neue Anlaufpunkte. Ein Geheimtipp ist zudem die neue Dauerausstellung zu den berühmten Autorennen am Sachsenring im Hohenstein-Ernstthaler Textil- und Rennsportmuseum. Die „heiß geliebte“ Ofenausstellung und der FabrikErlebnis-Rundgang in der Energiefabrik Knappenrode bei Hoyerswerda sind besonders für einen Familienausflug zu empfehlen.
Kaum zu zählen sind zudem die vielen bergbaulichen Schauanlagen, die Besuchern offen stehen. Unter der Ägide der TU Bergakademie Freiberg ist in Schloss Freudenstein mit „terra mineralia“ – einer mineralogischen Weltreise – ein besonderer Publikumsmagnet im Herbst 2008 eröffnet worden. Zahlreiche Kommunen und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren intensiv in ihre Museen investiert – allen voran die Stadt Bautzen. Einst als Universalmuseum angelegt, gehört das im Mai 2009 wieder eröffnete Haus zu den größten und bedeutendsten in ganz Sachsen. Die 800-jährige Geschichte der Landeshauptstadt Dresden wird seit Dezember 2006 in frischem Ausstellungsdesign im Stadtmuseum neu erzählt. Außerdem wächst in den Technischen Sammlungen Dresden das Erlebnisland Mathematik für Kinder und Jugendliche. Im Dezember 2011 wurde zudem die neue Dauerausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig eröffnet.
Aber auch kleinere Städte wie Görlitz, Kamenz und Zittau oder Annaberg-Buchholz, Mittweida, Olbernhau und Zwickau haben in den letzten Jahren viel für ihre Museen getan. (Auszug)

Katja Margarethe Mieth
Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen

Foto: Museum Bautzen

 

Leseprobe Rubrik: Leipzig

Expedition in den Urwald

 

Was machen eigentlich Schabrackentapire den lieben langen Tag? Oder Totenkopfäffchen, Quolls und Sunda-Gaviale? 

 

Wer nicht gerade Hobby-Zoologe ist, muss hier wahrscheinlich passen. Und auch bei der Frage, wie genau die Tiere hinter diesen exotischen Namen aussehen. Doch keine Sorge: Im Zoo Leipzig gibt es seit Juli 2011 die Antwort und einen ganzen Urwald dazu. Schweißtreibende Temperaturen, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und ein wahres Regenwalddickicht holen den Dschungel in der riesigen Tropenerlebniswelt Gondwanaland nach Sachsen. Eine Fläche von 16.500 Quadratmetern überspannt das Hallendach aus Folienkissen mit einer Scheitelhöhe von 34,5 Metern. Flora und Fauna aus Südamerika, Afrika und Asien sind hier vereint – ganz so, wie sie vor Millionen von Jahren der Urkontinent Gondwana verband.
 

Auf den zweiten Blick
Zu einer scheinbar undurchdringlichen sattgrünen Wildnis formieren sich die Bäume, Sträucher, Farne und Gräser rund um den Urwaldfluss Gamanil, sperren die Großstadt aus, schlucken selbst Baustellen- und Straßenlärm direkt vor der Halle. Stattdessen rauscht ein Wasserfall in der Ferne und Vogelgezwitscher schwirrt durch die Luft. Leuchtende Blüten in knalligem Lila, Rot und Orange durchbrechen das dichte Blattwerk, in dem sich so mancher Regenwaldbewohner ein geschütztes Plätzchen gesucht hat.
Gondwanaland ist ein Ort der zweiten Blicke. Eile und Ungeduld werden hier nicht belohnt, denn dann würde ein gewöhnlicher braun-grüner Zweig eben nur ein Zweig bleiben. Zwei Minuten später kommt der aber vielleicht in Bewegung, wird zum geringelten Schwanz, geht in einen Rücken voller Stachel über … voilà, der grüne Leguan ist enttarnt, wie er sich Zentimeter um Zentimeter einen Ast entlangschiebt. Etwas ganz Ähnliches kann bei der Suche nach dem Ozelot passieren. Vor der Panoramascheibe des Geheges: nichts zu sehen außer etwas Geflecktem im Unterholz. Ein Bein, ein Ohr, ein Kopf? Gleich ist auch der letzte Tupfen verschwunden. Und plötzlich, auf einem ganz anderen Pfad, schon fast in „Afrika“ statt in „Südamerika“, führt eine unscheinbare schmale Stiege in eine kleine Höhle. Dort ist die Sicht frei auf das hinterste Eckchen der Ozelot-Behausung, in dem es sich die elegante Raubkatze bequem gemacht hat.

Unter, über, in den Baumwipfeln
Mit einer solchen Gemütsruhe haben die putzigen Totenkopfäffchen auf ihrer Insel im Fluss gar nichts am Hut. Viel zu interessiert sind sie an den Zweibeinern, die hier vorbeischauen. Behände springen die Äffchen den Besuchern vor den Füßen herum, klettern durch Baumkronen, balancieren über Holzgeländer oder sausen über die Planken am Boden. Auch die kleine Entenschar am Ufer ist vor ihrem Schabernack nicht sicher und sucht schnatternd das Weite.
Da können die Schabrackentapire Copashi und Laila von Glück reden, dass sie im Asien-Teil weit genug von den agilen südamerikanischen Kollegen entfernt sind. Nur keinen unnötigen Schritt tun, scheint die Parole des Pärchens zu sein, das faul im Schatten seiner Höhle liegt und döst. Gut, ab und zu unternehmen die behäbigen schwarzweißen Tiere mit dem markanten Rüssel doch einen Ausflug zum Gamanil und zeigen sich jenen Urwald-Entdeckern, die gerade im Boot vorbeigleiten. Vom Wasser aus fallen noch einmal ganz andere Details ins Auge und gelegentlich wird sogar das in einer Baumkrone hängende Faultier Leander gesichtet.
So viel zum Blick aus der Froschperspektive. Fehlt noch die Übersicht von oben: Dorthin führt vom Afrika-Bereich kommend über schaukelnde Hängebrücken der Baumwipfelpfad. Zwei Plattformen umschließen die beiden künstlichen Baumriesen genau in der Mitte von Gondwanaland und damit schon in „Asien“. Der Weg zurück auf festen Boden macht aber noch einmal einen Abstecher zum seltenen Zwergflusspferd und den Dianameerkatzen, die im Westen Afrikas heimisch sind und auch in Leipzig zusammenleben. Hier teilen sich die Tierarten ein Gehege.
Zum großen Finale führen die gewundenen Dschungelpfade zu äußerst raren und bedrohten Exoten, während die Luft feuchter und immer heißer wird. Mehrere Sunda-Gaviale, eine Krokodilart aus Südostasien, tummeln sich im Wasser oder genießen die wärmenden Sonnenstrahlen, die durch das transparente Hallendach fallen. Die lässt sich auch der urtümliche Komodowaran gern auf den Leib scheinen. Bis zu drei Meter lang kann die mächtige Echse werden.
Fehlen eigentlich nur noch die Quolls – die am Tag nicht viel tun, denn sie sind nachtaktiv. Deswegen haben diese tasmanischen Tüpfelbeutelmarder ihr Heim auch im abgedunkelten Vulkanstollen im Eingangsbereich von Gondwanaland. Und gerade im Dämmerlicht ist der zweite Blick oft der entscheidende …
 

Claudia Kaesler

Foto: Zoo Leipzig

Leseprobe Rubrik: Karl-May-Gedenkjahr 2012

Ein großer Fabulierer

Zu Ostern 1896 ließ der berühmte Abenteuerschriftsteller Karl May den Amateurfotografen Alois Schießer aus Linz anreisen.

 

In seiner Radebeuler Villa entstanden genau 101 Aufnahmen, die sowohl Leser als auch Besucher des Hauses von einem überzeugen sollten: Die Romanhandlungen des Erfolgsautors waren nicht seiner Fantasie, sondern eigenen Erlebnissen entsprungen!
Verkleidet schlüpfte der damals 54-jährige May in die Rollen seiner Ich-Gestalten Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi und posierte auch mit zweien der nach seiner Aussage „berühmtesten Gewehre der Welt“ – dem Bärentöter und Winnetous Silberbüchse. Lange wurde über deren Herkunft gerätselt, doch genauso wie bei der Old-Shatterhand-Legende („Old Shatterhand – das bin ich selbst.“) hatte May hier nachgeholfen. Beide Gewehre gab er bei dem jungen Dresdner Büchsenmacher Max Fuchs in Auftrag; 1902 erwarb er außerdem noch den nicht minder bekannten Henrystutzen.
 

Vom Häftling zum Erfolgsautoren
Mit seiner eigenen Legendenbildung hat Karl May ein gutes Stück dazu beigetragen, dass er und sein umfangreiches Werk nicht in Vergessenheit geraten. 100 Jahre nach seinem Tod am 30. März 1912 summiert sich die deutschsprachige Gesamtauflage seiner Erzählungen auf über 100 Millionen Exemplare. Dazu kommen beinahe noch einmal so viele Übersetzungen in rund 40 Sprachen.
Das Fabulieren machte May sich früh zu Eigen, doch meist brachte es ihm mehr Schaden als Nutzen. Aus äußerst ärmlichen Verhältnissen stammend, flüchtete er sich schon als Junge in Fantasiewelten. Mit etwa zwölf Jahren verließ er das heimische Ernstthal gar in Richtung Spanien, weil er dort einen edlen Räuber, der den Mittellosen half, aufsuchen wollte. Er kam allerdings nur bis Zwickau. Falsche Namen und Titel, Betrügereien und kleinere Diebstähle bestimmten seinen Lebensweg ab 1859 und wurden hart bestraft. Bis 1879 bescherten ihm solcherlei Straftaten mehrere Gefängnisaufenthalte.
Endlich wendete sich das Blatt aber doch noch: Mit Anfang 30 hatte Karl May begonnen zu schreiben und Kontakte zu Verlegern geknüpft. Das zahlte sich  schließlich aus – wenn auch nicht sofort in barer Münze, so doch in regelmäßigen Veröffentlichungen. Hier kam May sein unerschöpflicher Einfallsreichtum zugute: Reiseerzählungen, Abenteuer- und Indianergeschichten erschienen in verschiedenen Zeitschriften, Winnetou und Old Shatterhand erlebten ihre Geburtsstunde. Ab 1892 gehörten auch die finanziellen Sorgen der Vergangenheit an. Der Verlag Fehsenfeld publizierte fortan „Carl Mays Gesammelte Reiseromane“, eine Reihe, die bis 1910 auf 33 Bände anwuchs. (Auszug)
 
Claudia Kaesler 

 
Foto: Karl-May-Museum Radebeul

Leseprobe Rubrik: Bautzen

1.000 Jahre und quicklebendig

Zu Gast in Bautzen sein, heißt vor allem eines: den Blick nach oben zu richten. Ein Turm hier, ein Turm da und da hinten ein weiterer - Bautzen ist die Stadt der Türme.

 

Sogar ein richtig schiefer gehört hier, weit weg von Pisa, dazu, der Reichenturm mit einer Neigung von 1,44 Meter. Doch damit nicht genug der „hohen Tatsachen“. Vom Stadtrand kommend, erhebt sich der Kern, die Altstadt, auf einem Granitplateau weit über den sprudelnden Wassern der Spree. Schon aus der Ferne grüßen die Wahrzeichen Alte Wasserkunst und Michaeliskirche mit ihren – natürlich, mit ihren Türmen.
Dieser schöne Anblick kann bei einem kurzen Spaziergang vom großen Touristik-Parkplatz an der Schliebenstraße ins Zentrum ausgiebig genossen werden. Von dort geht es zunächst hinunter ins von üppigem Grün gesäumte Tal der Spree, über eine kleine Brücke und schließlich entlang der mittelalterlichen Stadtmauer hinauf aufs Plateau. Hinter dem Mühltor, dem kleinsten Stadttor Bautzens, erstreckt sich der Wendische Kirchhof.
 

Zentrum sorbischer Kultur
Von der 1558 errichteten Alten Wasserkunst zur Rechten wurde in früheren Jahrhunderten das Wasser der Spree über Rohrleitungen in 86 Brunnen in der Stadt verteilt. Gleichzeitig gehörte der siebengeschossige Steinbau als Wehrturm zur Bautzener Befestigungsanlage. Linkerhand begrenzt die Kirche St. Michaelis den Wendischen Kirchhof. Das Gotteshaus ist seit 1619 die Gemeindekirche der evangelischen Sorben der Stadt und der umliegenden Dörfer. Bautzen – sorbisch Budyšin – gilt als geistig-kulturelles und politisches Zentrum dieses kleinsten slawischen Volkes, das sich schon im 7. Jahrhundert in der Region ansiedelte. Straßen und Plätze sind zweisprachig beschildert, in Kindergärten und Schulen kann sorbisch gesprochen und gelernt werden. Das in der Oberlausitz beheimatete Obersorbisch ist übrigens dem Tschechischen verwandt. Niedersorbisch aus der zu Brandenburg gehörenden Niederlausitz rund um Cottbus ähnelt hingegen dem Polnischen.
 

Ein düsteres Kapitel
Zu den Ursprüngen des im Jahr 1002 erstmals als „Civitas Budusin“ urkundlich erwähnten Bautzen führt die Heringstraße in westlicher Richtung. Beim Schlendern durch die abzweigende Mönchsgasse – Ziel ist die Ortenburg – kreuzt den Weg selbstverständlich wieder ein Turm, der sich jedoch eine recht ungewöhnliche Umgebung ausgesucht hat. Mitten in der Kirchenruine eines 1598 abgebrannten Franziskanerklosters reckt sich der imposante Wasserturm mit holzverkleidetem Behälter empor. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er nicht allein, gab es hinter den Mauern doch noch die einfachen Behausungen einer „Budenstadt“. Vor einigen Jahren erst haben pfiffige Bautzener erneut zwei Wohnungen in die einstigen Klosteranlagen gebaut. In der mittelalterlichen Altstadt finden sich eben viele Möglichkeiten, um einzigartig zu leben.
Ausgenommen davon ist allerdings die Ortenburg wenige Schritte weiter. Hier hat heute das Sächsische Oberverwaltungsgericht seinen Sitz; im Salzhaus zeigt das Sorbische Museum seine Dauerausstellung. Ein besonders bedrückendes Kapitel Bautzener Geschichte lässt sich auf der Ortenburg ebenfalls in seinen Anfängen verfolgen. Zwischen 1740 und 1906 diente der alte Burgwasserturm als Gefängnis, in dem unter anderem die Räuberhauptmänner Johannes Karasek (1800–1803) und Wenzel Kummer (1813–15) einsaßen. Anfang des 20. Jahrhundertes wurden dann die Gefängnisse Bautzen I und II außerhalb der Altstadt eröffnet, bis heute Symbole für Unrecht und politische Verfolgung in der DDR. Im ehemaligen Stasi-Gefängnis Bautzen II in der Weigangstraße erinnert die Gedenkstätte Bautzen an die Opfer beider Haftanstalten. (Auszug)
 
Claudia Kaesler
 
Foto: Jens-Michael Bierke

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