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Leseprobe Rubrik: Bei sächsischen Erzeugern

Bioglück über Dresdens Dächern

Ökologische Landwirtschaft auf dem Vorwerk Podemus

 

Mehr Bio, mehr glücklich! Nach dieser Philosophie leben und arbeiten Bernhard Probst, seine Familie und sein Team auf Vorwerk Podemus im Dresdner Westen. Die natürliche Lebenseinstellung hat sie weit voran gebracht. 1991 verschrieb sich der Bauernhof der ökologischen Landwirtschaft, heute erfreut er sich zunehmender Beliebtheit unter den Biokunden.

 

Was für eine tierische Begrüßung! Auf dem Gut angekommen, blinzelt gleich am Eingang ein Kalb aus seinen dunklen Augen, kaut genüsslich am Futter, lässt sich sonst aber nicht weiter stören. Hohe Bäume umgeben den Vierseitenhof, mittendrin toben Kinder auf einem kleinen Spielplatz. Gleich gegenüber öffnet und schließt sich in schöner Regelmäßigkeit die Glastür zum Biomarkt. Podemus hat sich einen Namen gemacht – nicht nur mit seinen Produkten, auch als Ausflugsziel.
Vor gut 100 Jahren verschlug es den Lausitzer August Probst hierher. Heute bewirtschaftet bereits die fünfte Generation das Vorwerk. Auch Bernhard Probst ist mittlerweile vierfacher Familienvater. Bei einer 65- bis 70-Stunden-Woche bleibt es oft nicht aus, dass selbst sonntags zuerst die Arbeit erledigt werden muss – doch "eigentlich gehört dieser Tag meiner Familie". Von Montag bis Samstag ist der 34-Jährige schon um 5.30 Uhr auf den Beinen und macht nicht vor 19 Uhr Feierabend. Sein Büroreich hat er unter dem Dach des Gebäudes, in dem die Fleischverarbeitungsanlage untergebracht ist. Stress hin oder her – der Blick aus dem Fenster und auf das Dresdner Elbtal entschädigt für vieles.

 

Mit Liebe zum Tier
Das Vorwerk Podemus ist spezialisiert auf die Produktion von Fleisch- und Wurstwaren. "Zehn bis 15 Prozent der Schlachttiere kommen vom Hof. Die übrigen Rinder, Lämmer und Schweine liefern Biobauern aus der Region an", erklärt Bernhard Probst. Die 2009 errichtete Fleischerverarbeitungsanlage und die modernen Kühlmaschinen garantieren eine konstant hohe Qualität von Fleisch und Wurst. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann auch als Besucher vorbeischauen, denn die meisten Arbeitsschritte sind gut einsehbar. Doch nicht nur Maschinen, auch Menschenhände sorgen dafür, dass die Produkte köstlich werden. "Bei der Wurstherstellung nehmen wir unsere eigenen, natürlich geheimen Gewürzrezepte", verrät der Hofchef.
Die Tiere stehen für die Biobauern ganz und gar im Mittelpunkt. "Wir wollen, dass sie sich rundum wohlfühlen", betont Probst, krault einen Jungbullen kräftig am Ohr und zeigt auf die Massagebürsten im Stall. Ja, ein paar Streicheleinheiten mögen seine Milchkühe und Rinder, egal ob von Menschen oder rotierenden Bürsten. Für ausreichend Bewegung sorgen lange Weidegänge. Ganz nebenbei pflegen die Kühe bei diesen Streifzügen durch die Natur auch die Streuobstwiesen im Zschoner Grund.
Zusätzlich zur Biofleischverarbeitung werden in Podemus auf 40 Hektar des insgesamt 250 Hektar großen Geländes Kartoffeln angebaut, die ebenfalls auf dem Hof verkauft werden. Außerdem können Kunden unbehandelte Milch im Melkhaus selbst zapfen. "Kein anderer Hof in Dresden gibt Rohmilch aus", weiß Probst. Dank der vielen Acker- und Grünflächen bekommen alle Hoftiere eigens angebautes Futter – natürlich mit Liebe zur Umwelt. Das bedeutet, dass weder synthetische Dünge- noch Pflanzenschutzmittel zur Bewirtschaftung der Flächen eingesetzt werden.

 

Bio boomt
Zahlen belegen es: Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt stetig an. Das kann Bernhard Probst nur bestätigen, denn sein Hof ist das beste Beispiel. Freitags und samstags schieben Kunden aus ganz Sachsen ihre Einkaufswagen durch die Gänge des Ladens. "Die Besucher reisen am Wochenende sogar aus Tschechien an", hat er beobachtet. Dieser Ansturm ließ auch das Angebot wachsen. Von Obst und Gemüse über Nudeln und Schokolade bis hin zu Kosmetik reicht mittlerweile das Sortiment. Insgesamt kommen so rund 6.500 Produkte zusammen – Tendenz steigend.
Auch seine Belegschaft stockte Bernhard Probst in den vergangenen Jahren auf. "Insgesamt haben wir 78 Mitarbeiter, 24 davon in der Fleischerei", rechnet der geschäftstüchtige Familienvater vor, als er um 14 Uhr die Schichtarbeiter durchs Bürofenster winkend verabschiedet. Nicht jeder ist auf dem Hof angestellt, denn das Vorwerk hat inzwischen auch zwei Bio-StadtMärkte eröffnet – einen am Blauen Wunder und einen weiteren in Radebeul.
Und nebenbei: Bio bedeutet unter anderem, dass auf die Zugabe von Phosphaten, künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern, Fütterungsantibiotika und Reifebeschleunigern verzichtet wird – ganz getreu den Gäa-Richtlinien, der EU-Bio-Verordnung sowie der Lebensphilosophie des Gutshofes: mehr Bio, mehr glücklich!

 

Claudia Biehl

 

 

DAS VORWERK PODEMUS
… betreibt bereits seit 20 Jahren organischen Landbau. Mit ökologischem Enthusiasmus und aktivem Naturschutz setzt sich der Biobauernhof für eine nachhaltige Lebensweise ein. Im Jahr 2006 wurde er mit dem „Förderpreis Naturschutzhöfe“ des Bundesumweltministeriums ausgezeichnet. Die Lage am Zschoner Grund bei Dresden bietet eine einmalige Landschaft, die Ausflügler auch sehr gut mit einem Spaziergang durch die Natur verbinden können.
www.vorwerkpodemus.de

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